Ich, Daniel Blake

Film / Ich, Daniel Blake

In den Mühlen eines maroden Sozialsystems

27. April 2017, 20:00

Trailer zum Film

GB, Frankreich, Belgien 2016, 100 min, FSK: 6

R: Ken Loach D: Dave Johns, Hayley Squires, Dylan McKiernan, Kate Rutter u.a.

In einer griechischen Tragödie wären es die Götter, die Daniel Blake zugrunde richten. In seiner realen Welt ist es die Bürokratie. Daniel ist ein ehrlicher Engländer, dessen Mutterwitz und Courage ihm auch in der Nachbarschaft Respekt garantieren. Ein Schicksalsschlag und ein schwerer Herzinfarkt haben den fast 60-jährigen Zimmermann aus der Bahn geworfen. Jetzt ist er finanziell auf den Staat angewiesen. Doch der ist alles andere als sozial. Nach einer Kurzuntersuchung wird Daniel als “arbeitsfähig” eingestuft, die Unterstützung wird gestrichen und er gerät in eine Bürokratie, deren Schikanen und Irrwege zunehmend kafkaesk anmuten. Bis er der alleinerziehenden Katie und ihren beiden Kinder begegnet. Sie raufen sich zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammen und erfahren neben den ständigen Seitenhieben der Behörden auch viel Solidarität. Und so leicht geben Daniel und Katie ihre Träume und Hoffnungen nicht auf…

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

24 Wochen

24_Wochen_1

Unglaublich ehrlich

13. April 2017, 20:00

Trailer zum Film

Deutschland 2016, 103 min, FSK: 12

R: Anne Zohra Berrached D: Julia Jentsch, Bjarne Mädel, Emilia Pieske u.a.

Wie Sie sehen, mache ich Gebrauch von ihm“, sagt Kabarettistin Astrid über ihren Mann und Manager Markus und deutet auf ihren Schwangerschaftsbauch. Markus begleitet Astrid zu ihren Auftritten und zu den Arztterminen. Als bei dem Ungeborenen ein Down-Syndrom feststellt wird, entscheiden sie sich trotz Ängsten und Zweifeln, das Kind zu bekommen. Gemeinsam wollen sie lernen, damit umzugehen. Eine weitere Untersuchung zeigt schwere Herzdeformationen und die taffe Astrid droht angesichts der Verantwortung zu zerbrechen. Ihre Beziehung stößt an ihre Grenzen. Nichts und niemand kann ihnen die Entscheidung über Leben und Tod abnehmen. Anne Zohra Berrached inszeniert extrem nah an der Realität, alle beteiligten Fachleute sind echt. Ein kraftvoller Film, der unter die Haut geht, authentisch, realistisch, eindringlich, mit großartigen Schauspielern.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

Frantz

Film/ Frantz

Die Kraft des Vergebens

30. März 2017, 20:00

Trailer zum Film

Deutschland, Frankreich 2016, 113 min, FSK: 12

R: François Ozon D: Paula Beer, Ernst Stötzner, Johann von Bülow, Marie Gruber u.a.

Deutschland 1919: Der erste Weltkrieg ist gerade beendet, die deutsche Trauer sitzt noch tief. Die junge Anna verlor in Frankreich ihren Verlobten Frantz und legt täglich Blumen auf sein Grab. Eines Tages bemerkt sie dort einen weiteren Trauernden, den Franzosen Adrien. Anna versucht herauszufinden, wie sich Adrien und Frantz kennenlernten. Doch Adrien gibt sich geheimnisvoll. Wer ist er wirklich und was verbindet ihn mit Frantz? Welche Motive führen ihn nach Deutschland? Wie reagiert die vom Krieg traumatisierte Kleinstadtbevölkerung auf den Besuch aus dem verhassten Frankreich? Ozon lässt das Geheimnis Adriens lange im Dunkeln, jongliert mit Anspielungen und Lügen. Meisterhaft inszeniert er ein Wechselbad der Emotionen in Schwarz-Weiß, das nur in kurzen Momenten des Glücks in Farbe taucht. Ein sinnliches Melodram über die Kunst des Verzeihens – und die Kunst der Lüge.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

Lou Andreas-Salomé

Lou-Andreas-Salome_1

Femme Fatale und Freigeist

16. März 2017, 20:00

Trailer zum Film

Deutschland, Österreich 2016, 113 min, FSK: 6

R: Cordula Kablitz-Post D: Katharina Lorenz, Nicole Heesters, Harald Schrott, Alexander Scheer u.a.

Sie verschmähte Nietzsche, verstieß Rilke, fesselte Freud. Wer war Lou Andreas-Salomé? Wo immer sie auch hinkam: Ihre Klugheit, ihre Sinnlichkeit, ihr unnahbares Wesen sorgten für Furore. “Von welchen Sternen sind wir uns hier einander zugefallen?”, flötete Nietzsche, als er sie 1882 in Rom erstmals sah. Gleich zweimal lehnte sie Nietzsches Heiratsantrag ab, ebenso wies sie seinen Freund Paul Rée (geboren in Neu Bartelshagen bei Stralsund) zurück. Cordula Kablitz-Post porträtiert die vergessene Philosophin und Schriftstellerin, die als erste Frau die Freudsche Psychoanalyse praktizierte; die 1861 in St. Petersburg geboren wurde und, statt zu heiraten, 1880 nach Zürich zog, um Vorlesungen zu Theologie, Philosophie, Logik an einer der wenigen Universitäten Europas zu hören, die Frauen damals zum Studium zuließen.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

Captain Fantastic

captain_1

Ein Film für die ganze Familie, nur nicht für jede

02. März 2017, 20:00

Trailer zum Film

USA 2016, 118 min, FSK: 12

R: Matt Ross D: Viggo Mortensen, Frank Langella, Steve Zahn, Kathryn Hahn, Missi Pyle u.a.

Ben und Leslie haben sich in die Wildnis zurückgezogen, um ihre individuelle Utopie zu verwirklichen und ihre sechs Kinder zu kritischen, starken und intellektuellen Freidenkern zu erziehen. Bunt und vibrierend zeigt sich ihr anarchistischer Gegenentwurf zum politisch Korrekten und zum Normal-Sein. Als Leslie in eine Klinik muss und stirbt, ist Ben gezwungen mit seinen Sprösslingen der realen Welt entgegenzutreten. In ihrem klapprigen Bus macht sich die Familie auf den Weg quer durch die USA zur Beerdigung bei den Eltern von Leslie. Ihre Reise ist voller komischer wie herzzerreißender Momente, die Bens Freiheitsideale und seine Vorstellungen von Erziehung nachhaltig infrage stellen…

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

Herbert

Film/ Herbert

Ring frei für die letzte Runde

16. Februar 2017, 20:00

Trailer zum Film

Deutschland 2015, 109 min, FSK: 12

R: Thomas Stuber D: Peter Kurth, Lena Lauzemis, Marko Dyrlich u.a.

Herbert war einmal der Stolz von Leipzig. Meisterboxer, beinahe bei Olympia. Jetzt trainiert er einen jungen Boxer, macht Security, treibt für einen Kredithai Schulden ein. Seine längst erwachsene Tochter hat ihn nicht mehr gesehen, seit sie sechs war. Als er erstmals merkwürdige Muskelkrämpfe verspürt, stellt die Diagnose ALS sein Leben auf den Kopf. Er verliert langsam alles, was ihn ausgemacht hat: seine Muskeln, die Kontrolle über seinen Körper, Macht und Aura. Weil Herbert nie auf andere angewiesen sein wollte, hat er nicht das beste Verhältnis zu seinen Mitmenschen. Erst als er nicht mehr seiner Körperkraft trauen kann, tastet er in seinem großen, von Speck, Muskeln und Tätowierungen gepanzerten Körper nach Gefühlen. Er lädt seine Freundin zum Tanzen ein, auf dem Spielplatz lernt er seine Enkeltochter Ronja kennen. Er weiß, dass jetzt die Zeit für seinen letzten Kampf gekommen ist. Bei aller Melancholie des Krankheitsverlaufs enthält der Film hochkomische, hochpoetische Szenen, grandios sentimental, kraftvoll bewegend.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi