Das zweite Leben des Monsieur Manesquier

Besser spät als nie

Eine zufällige Begegnung in einer kleinen französischen Dorfapotheke führt zwei Männer zusammen, die eigentlich nur eins gemeinsam haben: drei Tage Zeit. Drei Tage, bis der in die Jahre gekommene Bankräuber Milan mit drei Komplizen die ortsansässige Bank überfallen wird. Drei Tage, bis sich der pensionierte Lehrer Manesquier einer dreifachen Bypass-Operation unterziehen muss. Drei Tage, in denen die beiden konträren Charaktere über ihr Leben, ihre Versäumnisse und ihre Träume reflektieren, sich die Frage stellen, was wäre, wenn ich das Leben des anderen geführt hätte? Patrice Lecontes Film ist ein stiller, beinahe philosophischer Film, der dank der beiden Hauptdarsteller und der sensiblen Regie des Meisters des psychologisch fundierten Dramas zum Lächeln ebenso anregt wie zum Nachdenken. Ein kluger und poetischer Film über das Älterwerden und die Freundschaft, verpasste Chancen und die Zufälle des Lebens, die jeden zu dem machen, der er ist.

Frankreich/D/GB/Schweiz 2002, 90 min OmU

Regie: Patrice Leconte

Schauspieler: Jean Rochefort, Johnny Hallyday

Termin(e): 01. Juni 2006, 20:00 – Scheelehaus, Stralsund

Populärmusik aus Vittula

Furiose Zeitreise durch ein rebellisches Jahrzehnt

In der nördlichsten Ecke Schwedens, wo man schwedisch und finnisch gleichermaßen unverständlich spricht und sich das Leben so rau wie die Einwohner selbst gestaltet, hier liegt Vittula. Zwischen harten Trinkern, illegalen Schnapsbrennern, fingerhakelnden Frauen und Sauna bis zum Umfallen wachsen Matti und sein schweigsamer, sensibler Freund Niila auf und träumen von der großen, weiten Welt. Eine Beatles-Platte verändert das Leben der beiden Jungs. Unterstützt vom neuen Musiklehrer Greger gründen sie eine Rockband. Nach dem erfolgreichen Roman von Mikael Niemi erzählt Reza Bagher die Geschichte einer Jugend jenseits des Polarkreises. Die Verfilmung wird nicht nur dem rauen Witz und dem literarischen Niveau der Vorlage gerecht, sondern entwickelt mit schräger Komik, karikaturhaften Zuspitzungen und märchenhaften Wendungen einen ganz eigenen Charme.

Schweden/Finnland 2004, 100 min

Regie: Reza Bagher

Schauspieler: Max Enderfors, Andreas af Enehjelm, Björn Kjellman, Kati Outinen

Termin(e): 18. Mai 2006, 20:00 – Scheelehaus, Stralsund

Requiem

Von allen guten Geistern verlassen

Anfang der 70er Jahre. Die junge Michaela löst sich von ihrem streng katholischen Elternhaus und beginnt in Tübingen zu studieren. Doch bald wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Gequält von epileptischen Anfällen und Wahnvorstellungen sucht sie dort Hilfe, wo sie es gewohnt ist: bei der heiligen Katharina, bei Rosenkränzen und bei ihrem vertrauten Dorfpfarrer. Auch dieser konsultiert keinen Psychiater, sondern einen Kollegen, der sich mit Teufelsaustreibungen auskennt. Als sich Michaelas Gesundheitszustand immer mehr verschlechtert, lässt sie sich schließlich zu einem Exorzismus überreden. Kein Hollywood-Horror, sondern eine auf Tatsachen beruhende Story, die Hans-Christian Schmid (Lichter) ohne spektakuläre Effekte und mit präzisem Blick auf familiäre und religiöse Prägungen inszeniert.

Deutschland 2005, 93 min

Regie: Hans-Christian Schmid

Schauspieler: Sandra Hüller, Burghart Klaußner, Imogen Kogge

Termin(e): 11. Mai 2006, 20:00 – Scheelehaus, Stralsund

Tausendschönchen – kein Märchen

Dieser Film ist allen gewidmet, die sich nur über zertrampeltes Gemüse aufregen

Marie 1 und Marie 2 sind mit der Welt und ihren persönlichen Aussichten darin äußerst unzufrieden. Sie haben Langeweile, und sie tun nur, was ihnen Spaß macht. Männer sammeln sie wie Ansichtskarten: kurz angeguckt und weggeschickt. Die etablierten Älteren nehmen sie gleich aus, die Jungen reizen sie mit ihrer Schönheit und ihren Launen bis zum äußersten und lassen sie später wieder fallen. Nach einem großen Fressen am Buffet, gibt es eine anarchische Zerstörungsorgie… Mit dieser grotesken Komödie machte Vera Chytilová vor 40 Jahren international auf sich aufmerksam. Der Film entstand in der Periode des politischen Aufbruchs in der CSSR, zur Zeit des „Prager Frühlings“. Die anarchische Komödie ist ein filmisches Manifest für die individuelle Entfaltung der Persönlichkeit und gegen jede Form von Engstirnigkeit und Spießertum. Vera Chytilová folgt der wilden Experimentierlust ihrer beiden Heldinnen, indem sie die Geschichte radikal durch Slapstick-Einlagen, Schwarzweiß-Farbe-Montagen und Filmtricks aufbricht.

CSSR 1966, 74 min

Regie: Jitka Cerhová

Schauspieler: Ivana Karbanová Julius Albert Jan Klusák Marie Cesková

Termin(e): 27. April 2006, 20:00 – Scheelehaus, Stralsund

Brautklau im All

„Brautklau im All“
Stralsunder Jugenkunst-Film

Eine atemberaubende Legetrick-Animation aus der Medienwerkstatt im Speicher am Katharinenberg. Prinzessin Kayal wurde von Space-Monstern entführt. Prinz Perlon ist geschockt und macht sich mit seinen Getreuen auf den abenteuerlichen Weg durchs All, um seine Braut wiederzufinden.

Deutschland (Stralsund) 2006, 10 min

Regie, Produktion, Idee: Frithjof Gawenda, Johannes Menzel

Termin(e): 27. April 2006, 20:00 Die Macher werden anwesend sein! – Scheelehaus, Stralsund

Caché

Die Schuld der Vergangenheit als Bedrohung der Gegenwart

Seit einiger Zeit werden Georges Laurent, erfolgreicher Fernsehmoderator eines Literaturmagazins, anonym Videobänder zugesandt inklusive einer bedrohlich wirkenden Kinderzeichung. Eine stille Art des Terrors, die ihre Wirkung nicht verfehlt. Georges Familienidyll mit Frau und Kind bekommt angesichts dieser unheimlichen Überwachung von unbekannt Risse. Langsam stellt sich heraus, dass ein dunkler Punkt in Georges Kindheit die Ursache dafür ist. Die Schatten der Vergangenheit legen sich nun nicht nur über sein eigenes Leben… Mit den Mitteln des Thrillers nimmt Haneke sich in seinem vielfach preisgekrönten und hochkarätig besetzten Film der Themen Vergessen und Verdrängung an, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Wahrheit irgendwo unter der Oberfläche schlummert.

Frankreich/Österreich/D/Italien 2005, 117 min

Regie: Michael Haneke

Schauspieler: Juliette Binoche Daniel Auteuil Maurice Bénichou Annie Girardot

Termin(e): 13. April 2006, 20:00 – Scheelehaus, Stralsund