Work Hard – Play Hard

Huxley trifft Orwell und Kafka

07. Februar 2013, 20:00

D 2011, 94 min, FSK: o.A.

R: Carmen Losmann

Das Streben nach Gewinnmaximierung und grenzenlosem Wachstum hat die Ressource Mensch entdeckt. Die Grenzen zwischen Arbeit und Lifestyle verschwinden. Selbstoptimierung steht auf dem Programm. Wer dazugehören will, passt sich an, gibt sich zu erkennen. Die Suche nach idealen Mitarbeitern, die dem modernen Leistungsbild entsprechen, hat für Konzerne oberste Priorität bekommen. Die bestehenden Mitarbeiter werden motiviert, trainiert oder aussortiert. Wie moderne Galeerensklaven lassen sich junge Manager vor einen Konzern spannen, der ihnen verspricht, Teil von etwas ganz Großem zu sein und ihnen nahelegt sich der Unternehmenskultur zu unterwerfen und die globalen Ziele 24 Stunden am Tag mitzutragen. Carmen Losmann hat einen zu zutiefst beunruhigenden Dokumentarfilm über moderne Arbeitswelten gedreht. Ohne jeglichen Kommentar und fast ohne Musikuntermalung vertraut der Film allein auf die Aussagekraft seiner eiskalten, glasklaren Bilder und die Schlüssigkeit seiner Szenen.

Termin: 07. Februar 2013, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Fenster zum Sommer

Die Zukunft wiederholt sich

24. Januar 2013, 20:00

D 2011, 96 min, FSK: 12

R: Hendrik Handloegten D: Nina Hoss, Mark Waschke, Lars Eidinger, Fritzi Haberlandt u.a.

Ein Sommer in Finnland. Juliane verbringt den ersten gemeinsamen Urlaub mit ihrer großen Liebe August, für den sie ihren langjährigen Freund Philipp verlassen hat. Ganz plötzlich erwacht sie, wie durch einen Zeitsprung zurückversetzt, wieder im verschneiten Berlin. War der Sommer nur ein Traum? Hin- und hergerissen zwischen Hoffen und Bangen macht Juliane sich erneut auf den Weg in die Zukunft … Lässt sich das Schicksal austricksen? Und wie verhält man sich, wenn man seine Zukunft schon zu kennen glaubt? Hendrik Handloegtens magisch-rätselhafte Liebesgeschichte handelt von der Hoffnung auf eine zweite Chance. Ein Film über eine Liebe, die sich nicht an die Grenzen der Zeit hält. Und die so groß ist, dass sie nach einer zweiten Chance verlangt.

Termin: 24. Januar 2012, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Sons of Norway

Friede, Freude, Bananenkuchen: Punk´s not Dad

13. Dezember 2012, 20:00

Norwegen, Schweden, Dänemark, Frankreich 2011, 88 min, FSK: 12

R: Jens Lien D: Sven Nordin, Sonja Richter, Åsmund Høeg, John Lydon, Trond Nilssen u.a.

Norwegen, Dezember 1978. Es ist das letzte Weihnachtsfest, das Magnus, seine Frau Lone und ihre Söhne miteinander verbringen. Wenig später reißt ein Unfall die Hippie-Familie auseinander. Vater Magnus versucht seine Ideale wie freie Liebe, FKK und Anarcho-Phrasen verkrampft weiter aufrecht zu halten. Der 14-jährige Sohn Nicolaj flüchtet sich in die Punkszene, nimmt Drogen bis ihm Johnny Rotten, Frontmann der „Sex Pistols“, in einer Halluzination erscheint. Basierend auf den Jugenderinnerungen des norwegischen Autors Nikolaj Frobenius hat Regisseur Jens Lien diese skurril-komische, aber auch anrührend-gefühlvolle Coming-of-Age-Geschichte gekonnt in Szene gesetzt, in der die klassische Vater-Sohn-Hierarchie ausgehebelt wird und letztendlich ein junger und ein alter Jugendlicher miteinander auskommen müssen.

Termin: 13. Dezember 2012, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

The Future

Im Zeichen der Katze

22. November 2012, 20:00

USA, D 2011, 91 min, FSK: 6

R: Miranda July  D: Miranda July, Hamish Linklater, David Warshofsky, Isabella Acres, Joe Putterlik u.a.

Seit vier Jahren sind Sophie und Jason ein Paar. Gewohnheit, Routine, Langeweile, Erstarrung und ebenso großes wie stilles Einverständnis mit dem anderen prägen ihre Beziehung. Meistens sind die beiden sowieso online, was das Zusammenleben auch nicht einfacher macht. Um noch einmal etwas gemeinsam in Angriff zu nehmen, starten sie das ehrgeizige Projekt, eine kranke Katze aus dem Tierheim zu adoptieren. Doch „Pfötchen“ muss noch dreißig Tage im Tierheim bleiben, bis die verletzte Pfote wieder verheilt ist. Unter der einerseits drohenden und andererseits herbeigesehnten Verantwortung für das Kätzchen, das die Lücke, das Vakuum zwischen den beiden ausfüllen soll, beginnen die beiden, ihr Leben noch einmal neu zu überdenken. Die Allround-Künstlerin Miranda July erzählt eine einfache Geschichte über ein Paar, das keine Antwort auf die Frage weiß: Wollen wir zusammen alt werden?

Termin: 22. November 2012, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Monsieur Lazhar

Schule des Lebens

01. November 2012, 20:00

Kanada 2011, 94 min, FSK: 0

R: Philippe Falardeau D: Danielle Proulx, Mohamed Fellag, Sophie Nélisse, Émilien Néron, Brigitte Poupart u.a

Die Lehrerin Martine hat sich erhängt. Die Direktorin der Grundschule in Montreal nimmt das Angebot von Monsieur Lazhar dankbar an, als Aushilfslehrer einzuspringen. Monsieur Lazhar und seine Klasse, das ist die Geschichte einer heilsamen Beziehung: selbst die Bewältigung des Traumas Selbstmord erscheint nicht mehr wie ein bleierner Riese. Das gefühlvoll-charmante und gleichzeitig authentisch wirkende Drama des frankokanadischen Regisseurs Philippe Falardeau, das auf einem Theaterstück von Evelyne de la Chenelière basiert, war 2012 für den Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert. Es verbindet das aktuell anmutende Thema des richtigen Umgangs mit einer Schultragödie mit einer interkulturellen Begegnung. Bachir Lazhar ist politischer Asylant, er kennt weder Land noch Leute und schon gar nicht die schulischen Regeln. Aber er versteht mit dem Herzen, worauf es ankommt, und das umso mehr, als er selbst ein Trauma zu verarbeiten hat.

Termin: 01. November 2012, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Vaterlandsverräter

Aus dem Leben eines IM

18. Oktober 2012, 20:00

D 2011, 102 min, FSK: 0

R: Annekatrin Hendel

Über die Stasi ist alles gesagt, könnte man denken. Aber die individuellen Geschichten sind noch kaum erzählt. Weder die Scham der Täter noch deren Versuch, mit der Schuld fertig zu werden. Wie spannend und berührend die Auseinandersetzung jenseits der politisch-rechtlichen Einordnung sein kann, zeigt Annekatrin Hendels eindringliche Dokumentation über den Schriftsteller und inoffiziellen Stasi-Mitarbeiter Paul Gratzik. Von 1962 bis 1981 lieferte er der Stasi Berichte über Schriftstellerkollegen und andere Künstler. Dann nahmen seine Gewissensnöte derart überhand, dass er die Zusammenarbeit beendete und sich gegenüber den Opfern outete. Auch Filmemacherin Annekatrin Hendel kommt aus der DDR. Sie kennt Paul Gratzik seit 1989 und macht aus ihrer DDR-kritischen Haltung keinen Hehl, die zwischen Freundschaft und Streit, Neugier und Gegenrede die ganze Widersprüchlichkeit einer ebenso schwierigen wie immer wieder provokativen Persönlichkeit freilegt. Gerade durch die ständige Reibung kommt Annekatrin Hendel ihrem Protagonisten so nahe, wie es eine bloß einfühlsame Haltung niemals vermocht hätte.

Termin: 18. Oktober 2012, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi