Wir sitzen im Süden mit Regisseurin Martina Priessner

Fremd im eigenen Land

03. Mai 2012, 20:00

Produktion: Deutschland, Türkei 2011, 88 min Deutsch/Türkisch mit Untertiteln
Regie: Martina Priessner

Sie melden sich mit Ralf Becker und Ilona Manzke. Sie sind freundlich, geduldig und kompetent. „Wir sitzen im Süden“ lautet die Antwort auf gelegentliche Fragen der Kunden nach dem Standort der Firma. Die Callcenter-Agents, die fränkisch, alemannisch oder auch hochdeutsch sprechen, sitzen tatsächlich im Süden – in klimatisierten Großraumbüros mitten in Istanbul. Deutsche Firmen von Lufthansa bis Neckermann finden hier für wenig Lohn qualifizierte Arbeitskräfte. Was Bülent, Murat, Fato? und Çi?dem miteinander verbindet, ist ihre Kindheit und Jugend in Deutschland. Für ein Leben in Istanbul haben sie sich nicht selbst entschieden. Bülent wurde vor fünf Jahren abgeschoben. Fato? und Murat wurden gegen ihren Willen von den Eltern in die Türkei geschickt. Auf der Suche nach Geborgenheit und Identität wird Deutschland zum Sehnsuchtsort. Martina Priessner ist ein wundervoller, durchaus ironischer Dokumentarfilm über die Paradoxien von Migration und Globalisierung gelungen.

Termin(e): 03. Mai 2012, 20:00 – Regisseurin ist anwesend – Kulturkirche St. Jakobi

Waste Land

Kunstwerke aus Müll

Produktion: Großbritannien, Brasilien 2010, 98 min
Regie: Lucy Walker

Der renommierte Künstler Vik Muniz kehrt von Brooklyn zu seinen brasilianischen Wurzeln zurück, um Kunst zu schaffen auf der größten Müllkippe der Welt – Jardim Gramacho, gelegen an der Peripherie von Rio de Janeiro. Dort verdienen „Catadores“ ihren Lebensunterhalt durch das Sammeln recyclebarer Wertstoffe. Zwischen Armut, Dreck und Verwesung begegnet Muniz Menschen voller Optimismus und Stolz, die über Macchiavelli und die Würde der Arbeit philosophieren, eine Bibliothek einrichten und eine Gewerkschaft gründen. Zusammen mit ihnen arbeitet er an überdimensionalen Abfall-Portraits. In ihrer mehrfach ausgezeichneten Dokumentation erzählt Lucy Walker vom Müll, von lebensbejahenden, fröhlichen Individuen und von den Kunstwerken, die sie schaffen.

Termin(e): 12. Januar 2012, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

8. Wonderland

Aufstieg und Fall des ersten virtuellen Staates

Produktion: Frankreich 2008, 98 min
Regie: Nicolas Alberny, Jean Mach
Darsteller: Matthew Geczy, Robert William Bradford, Alain Azerot u.a.

Die Geschichte eines virtuellen Staates, den Menschen aus der ganzen Welt im Internet gründen. Sie wollen den bloßen Worten der Politik Taten entgegensetzen. Wöchentlich stimmen die Bürger des achten Wunderlandes über die nächsten Aktionen ab. Per demokratischen Beschluss wird so der Vatikan mit Kondom-Automaten dekoriert, wird eine Darwin-Bibel in Massenauflage gedruckt. Während Geheimdienste fieberhaft nach den Servern suchen, um sie abzuschalten, ist das idealistische Projekt auch von innen gefährdet, denn mit der Aufmerksamkeit wächst das Bewusstsein der eigenen Macht und damit auch die Gefahr, diese Macht zu missbrauchen oder durch sie zumindest die eigenen Ideale zu verraten. Ein gelungenes Drama mit dem Hauch eines Thrillers, das eine „was wäre wenn“-Thematik auffasst, die gar nicht so unrealistisch ist.

Termin(e): 13. Oktober 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Banksy – Exit Through the Gift Shop

Produktion: USA/Großbritannien 2010, 86 min
Regie: Banksy
Darsteller: Rhys Ifans u.a.

Obwohl seine Kunst Fassaden und Mauern auf der ganzen Welt ziert, weiß niemand, wer hinter Banksy, dem gefeierten Street Art Künstler, eigentlich steckt. Bis Thierry Guetta, ein wunderbar durchgeknallter Franzose und Video-Maniac, Banksy aufspüren und filmen möchte. Was ihm durch gute Kontakte und ein bisschen Zufall auch gelingt. Doch Banksy dreht den Spieß um und übernimmt Regie. Bei all den Geschichten über die Anfänge und Entwicklung der Street Art, über wilde Kunstaktionen und menschliches Versagen bleibt es völlig im Unklaren, ob Banksy im Film überhaupt auftaucht. Vielleicht gibt es auch gar keinen Mann namens Thierry Guetta, sondern nur einen strubbeligen, überkandidelten Schauspieler, der sich so nennt. Vielleicht sitzen wir auch gerade einem Street-Art-Märchen auf. Eine wahre (?) Geschichte über Kleinkriminalität, Freundschaft und Inkompetenz.

Termin(e): 18. August 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Weiter Informationen unter: www.exit-through-the-gift-shop.de

No Time to Die

Komödie auf/über Liebe und Tod

Asante und sein Assistent Issifu bringen mit einem glänzenden schwarzen Auto die Toten von der ghanaischen Hauptstadt Accra in ihre Dörfer, wo die Beerdigungen stattfinden. Asante liebt seinen Beruf. Doch er hat ein Problem. Welche Frau will schon mit einem Leichenwagenfahrer zusammen sein? Bis Esi, eine junge Tänzerin, in Asantes Leben tritt. Sie will ihre tote Mutter in deren Heimatdorf bringen. Für Asante ist es Liebe auf den ersten Blick. Und mit Hilfe Issifus gelingt es ihm sogar, das Herz des schönen Mädchens zu gewinnen. Doch Esis Vater will Nichts von der Liaison seiner Tochter mit dem jungen Mann wissen. Nur über seine Leiche, so sagt er, kommt eine Hochzeit in Frage. Asante gibt nicht auf und schreckt auch nicht davor zurück, ein paar übernatürliche Tricks anzuwenden…

Ghana/D 2007, 90 min OmdU

Regie: King Ampaw

Schauspieler: David Dontoh, Issifu Kassim, Agatha Ofori, Kofi Bucknor, Fritz Baffour

Termin(e): 19. November 2009, 20:00 – Scheelehaus, Stralsund

El baño del Papa – das große Geschäft

Neulich, wenn der Papst kommt…

Beto lebt mit Frau und Tochter in dem verschlafenen Städtchen Melo im Nordosten Uruguays. Den Lebensunterhalt verdient er mit waghalsigen Schmuggeltouren per Fahrrad über die nahe Grenze. Eines Tages gerät ganz Melo aus dem Häuschen, als von den Medien der Besuch des Papstes angekündigt wird. Er will seinen Uruguay-Besuch ausgerechnet in dieser kleinen Stadt beginnen. Mehr als 50.000 Menschen würden zu diesem Ereignis erwartet – gut für Seele und Geschäft. Fortan haben die Einwohner nur noch Geschäfte im Sinn. Beto setzt auf ein Toilettenhäuschen, aber schon dessen Bau ist ein unerwartetes Abenteuer, das Beto an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt. Der Papstbesuch in Melo als Ausgangspunkt der Handlung hat 1988 tatsächlich stattgefunden. – Ein berührender und tragikomisch Film über von Medien geschürte Träume in einer globalisierten Welt. Auf mehreren internationalen Festivals ausgezeichnet war er 2008 der offizielle Oscar-Beitrag aus Uruguay.

Uruguay 2007, 98 min OmdU

Regie: César Charlone, Enrique Fernández

Schauspieler: César Troncoso, Virginia Méndez, Mario Silva, Virginia Ruiz, Nelson Lence, Henry De Leon

Termin(e): 30. April 2009, 20:00 – Scheelehaus, Stralsund