Die Beschissenheit der Dinge

Dem Leben Spaß abringen

Produktion: Belgien 2009, 108 min
Regie: Felix van Groeningen
Darsteller: Kenneth Vanbaeden, Valentijn Dhaenens, Koen De Graeve, Wouter Hendrickx, Johan Heldenbergh u.a.

Der 13-jährige Gunther Strobbe lebt mit seinem Vater, einem Säufer, und drei ebenso abgewrackten Onkeln bei seiner liebenswürdigen Großmutter. Die vier Männer sind mit wenig anderem beschäftigt, als die Ehre der Strobbes in der Dorfkneipe und bei  Großereignissen wie einem Nacktfahrradrennen zu verteidigen. Die Bedürfnisse des 13-Jährigen werden rücksichtslos übergangen. Erst als Gunther in ein Internat kommt, kann er dort, in der Sicherheit fester Strukturen, in Ruhe lernen und damit beginnen, sein Leben zu ordnen. Der Film basiert auf dem autobiographischen Bestsellerroman von Dimitri Verhulst über seine Jugend und ist nichts für Zartbesaitete. Szenen großer Zärtlichkeit schlagen unvermittelt um in Gewalt. Hinter Momenten lakonischen Witzes lauert stets die Traurigkeit eines verkorksten Lebens. In Cannes gab es dafür den Prix Art et Essai.

Termin(e): 26. Januar 2012, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

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Die Schlösser aus Sand

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Ein Haus voller Gefühle

18. Januar 2018, 20:00

Trailer zum Film

Frankreich 2015, 102 min, FSK: 12

R: Olivier Jahan D: Yannick Renier, Emma de Caunes, Jeanne Rosa, Alain Chamfort, Christine Brücher u.a.

Bretagne, Côtes d’Armor, Éléonore ist mit ihrem Ex-Freund Samuel in das Haus ihres Vaters am Meer zurückgekehrt, in dem sie und Samuel viele glückliche Sommer verbracht haben, als sie noch ein Paar waren. Nach dem Tod des Vaters muss Éléonore das Haus verkaufen und Samuel hat ihr angeboten, dabei zu helfen. Eigentlich wissen beide, dass sie noch viel für einander empfinden, aber sie kommen nicht dazu gemeinsam in schönen Erinnerungen zu schwelgen, denn die Immobilienmaklerin Claire führt einen potentiellen Käufer nach dem anderen durch das Haus und eine Nachbarin die das Ganze aus der Ferne beobachtet, scheint ihre eigenen Erinnerungen an das Haus und Éléonores Vater zu haben. Olivier Jahan zeigt in seinem romantischen Kammerspiel sehr charmant eine literarisch cineastische Version von der Liebe, die beendet ist und doch fortbesteht.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

Born to Be Blue

Genie oder Junkie

15. März 2018, 20:00

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Kanada, GB 2016, 97 min, FSK: 12

R: Robert Budreau D: Ethan Hawke, Carmen Ejogo, Stephen McHattie, Callum Keith Rennie u.a.

Der Trompeter Chet Baker (1929-1988) gehört zu den prägenden Künstlern des Jazz. Nach einem kometenhaften Aufstieg in den 1950er Jahren, gefeiert als der „James Dean of Jazz“, war Chet Baker schon zehn Jahre später am Ende. Zerrissen von seinen inneren Dämonen, von Drogen und Exzessen des Musikerlebens, begegnet er einer Frau, mit der wieder alles möglich scheint. Angefeuert von seiner neuen Leidenschaft und ihrem bedingungslosen Glauben an ihn, kämpft sich Baker zurück und erschafft so einige der unvergesslichsten Musikaufnahmen seiner Karriere. Robert Budreau erzählt von einem Wendepunkt im Leben des legendären Jazz-Trompeters, teils anhand von Fakten, teils fiktiv. Eine eindrucksvolle Comeback-Story und eine Liebeserklärung an einen begnadeten Musiker.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

Die göttliche Ordnung

In einem Land vor unserer Zeit

01. März 2018, 20:00

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In Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der Hansestadt Stralsund:

Schweiz 2017, 96 min, FSK: 6

R: Petra Volpe D: Marie Leuenberger, Maximilian Simonischek, Sibylle Brunner u.a.

Schweiz, 1970/71: Nora, eine junge Hausfrau, lebt mit Mann, zwei Söhnen und Schwiegervater in einem beschaulichen Dorf. Hier ist wenig von den gesellschaftlichen Umwälzungen der 68er-Bewegung zu spüren. Die Dorf- und Familienordnung gerät gehörig ins Wanken, als Nora sich für das Frauenwahlrecht einsetzt, über dessen Einführung die Männer abstimmen sollen. Von ihren politischen Ambitionen werden auch andere Frauen angesteckt. Beherzt kämpfen die züchtigen Dorfdamen nicht nur für ihre Gleichberechtigung, sondern auch gegen eine verstaubte Sexualmoral. Doch in der aufgeladenen Stimmung drohen Noras Familie und die ganze Dorfgemeinschaft zu zerbrechen. In ihrer warmherzigen Komödie lässt Regisseurin Petra Volpe chauvinistische Vorurteile und Frauen-Solidarität aufeinander treffen. Differenziert zeigt sie, dass auch Männer unter der rigiden Rollenteilung leiden. Ein Film mit Happy End: Am 7. Februar 1971 erhalten die Schweizerinnen das Stimm- und Wahlrecht.

 

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

Körper und Seele

Der Weg allen Fleisches

15. Februar 2018, 20:00

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Ungarn 2017, 115 min, FSK: 12

R: Ildikó Enyedi D: Tamás Jordán, Géza Morcsányi, Szandra Borbély u.a.

Die neue Qualitätskontrolleurin Mária tritt ihre Arbeit im Schlachthof an. Eine eigentümliche Frau, das sieht Endre, Finanzdirektor des Schlachthofs, sofort: Steif, fast roboterhaft, mit unbewegtem Blick sucht sie einen unbesetzten Tisch in der Kantine. Und doch ist sie von einer elfenhaften Schönheit, die Endre nicht verborgen bleibt. Dann kommt durch einen Zufall heraus, dass Endre und Mária in der Nacht zuvor dasselbe geträumt haben: Ein Hirsch trifft in einem verschneiten Wald eine Hirschkuh. Langsam, sehr langsam kommen sich Endre und Mária, zwei Menschen mit großen Wunden auf der Seele, näher. Eine Liebesgeschichte – verhalten und doch romantisch, langsam und doch packend, märchenhaft und doch realistisch. Und das an einem Ort, wo Liebe gar nicht möglich scheint: in einem Schlachthof, diesem archaischen, blutgetränkten Ort.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

Die Migrantigen

Was macht man so als Ausländer?

25. Januar 2018, 20:00

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Österreich 2017, 98 min, FSK: 12

R: Arman T. Riahi D: Aleksandar Petrovic, Faris E. Rahoma, Doris Schretzmayer, Josef Hader u.a.

Rudolfsgrund – ein fiktives multikulturelles Vorstadtviertel in Wien, wo aktuell jeder zweite Einwohner Migrationshintergrund hat. So auch Benny, arbeitsloser Schauspieler, und sein Freund Marko. Als Benny beim Vorsprechen für eine Rolle scheitert und Markos Werbeagentur in finanzielle Schieflage gerät, werden sie von Fernsehjournalistin Marlene Weizenhuber als mögliche Protagonisten für eine TV-Serie über den sozialen Brennpunkt Rudolfsgrund entdeckt. Die beiden voll in die österreichische Gesellschaft integrierten Freunde wittern das große Geld. Gecoacht vom Türken Juwel berichten sie über ihr fiktives Leben im Problemviertel, mimen Zuhälter und Drogendealer bis sich das Blatt wendet und die von ihnen erfundene Wirklichkeit sie einholt. Vergnügt und furchtlos stellt Arman Riahi sämtliche Klischees von „echten“ und „falschen“ Aus- und Inländern auf den Kopf und zeigt eine Mediengesellschaft, die sich weniger an Tatsachen als an „alternativen Fakten“ orientiert.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

Hell or High Water

Film/ Hell Or High Water

Auf Beutezug durch Trump-Country

04. Januar 2018, 20:00

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USA 2016, 102 min, FSK: 12

R: David Mackenzie D: Jeff Bridges, Ben Foster, Chris Pine u.a.

Zwei Brüder – der rechtschaffene Toby und der jähzornige Ex-Häftling Tanner – begehen gemeinsam mehrere Banküberfälle, um zu verhindern, dass die hochverschuldete Farm ihrer Familie an die Bank zurückfällt. Dies ist ihr letzter, verzweifelter Kampf um eine Zukunft, die ihnen unter den Füßen weggezogen wurde. Ihr Plan scheint aufzugehen, bis sie ins Visier des unerbittlichen Texas Rangers Hamilton geraten, einem wahrhaft aufrichtigen Gesetzeshüter, der kurz vor seinem Ruhestand noch einen großen Triumph feiern will. Der knallharte Thriller, der anstelle von sinnlosen Schießereien auf eine souveräne Dramaturgie und ausgearbeitete Charaktere setzt, erzählt tiefgründig und zugleich sehr unterhaltsam von Geldnot, Angst und Ausweglosigkeit. Wer immer noch erstaunt ist angesichts des Ausgangs der Präsidentschaftswahl in den USA, dem kann dieser Film beim Verstehen helfen.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi