Spielort Eisengießerei: Nach Wriezen

Das Leben nach der Haft

29. August 2013, 20:00

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Trailer zum Film

D 2012, 88 min, FSK: o.A.

R: Daniel Abma

In Anwesenheit des Regisseurs und in Kooperation mit Rock gegen Rechts zeigen wir Nach Wriezen. Der Dokumentarfilm begleitet Imo (22), Jano (17) und Marcel (25) drei Jahre lang, beginnend am Tag ihrer Entlassung aus der JVA Wriezen, Brandenburg. Jano, der kleinkriminelle Drogendealer vom Dorf, Imo, dem jede Gefühlsregung vom Gesicht abzulesen ist, und Marcel, der für einen Mord verurteilt wurde, sie starten mit den gleichen Wünschen in ihr neues Leben: eine Arbeitsstelle, eine Wohnung, eine Freundin. In drei Jahren passiert vieles: Freundinnen werden gefunden, Kinder in die Welt gesetzt. Weit entfernt vom Reality-Doku-Stil, wo Delinquenten im grellen Fernsehlicht vorgeführt und abgestempelt werden, zeigt der Film, wie die drei Protagonisten ihr Leben leben, und unterläuft dabei so manche Erwartungshaltung. Ist der Tag der Entlassung eine Chance oder bleibt man für immer ein Knacki?

Termin: 29. August 2013, 20:00 – Eisengießerei, Frankenstraße 61

Arthur und Claire

Mit dem Leben hardern

13. Dezember 2018, 20:00

Trailer zum Film

A, D, NL 2017, 98 min, FSK: 12

R: Miguel Alexandre D: Hannah Hoekstra, Josef Hader u.a.

Der zynische Arthur, Anfang 50, die bissige Claire, Anfang 30, zwei Menschen mit Todessehnsucht, die gemeinsam durch die Amsterdamer Nacht taumeln. Tauchen ein in das Leben des anderen, das sie so noch nicht kannten. Fließend wechseln dabei Klamauk mit Feinfühligkeit, Kalauer mit philosophischer Tiefe, makabre Pointen mit menschlicher Wärme und die Angst vor dem Tod mit der Angst vor den Lebenslügen. Am Ende ist die Zukunft offen.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

Offenes Geheimnis

Zeit heilt keine Wunden

21. März 2019, 20:00

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Spanien, Frankreich, Italien 2018, 133 min, FSK: 12

R: Asghar Farhadi D: Penélope Cruz, Javier Bardem, Ricardo Darín u.a.

Anlässlich der Hochzeit ihrer Schwester reist Laura von Buenos Aires in ihr spanisches Heimatdorf. Auch Paco ist hier. Mit ihm verbindet sie nicht bloß ihre erste große Liebe, sondern auch ein viele Jahre zurückliegender Geschäftsdeal, bei dem Laura ihre Anteile vom Familienerbe an ihn verkaufte. Als plötzlich Lauras Tochter verschwindet und alles darauf hindeutet, dass sie sich in den Händen brutaler Verbrecher befindet, zählt nur noch, das Mädchen wiederzufinden. Oder hängen die Spannungen innerhalb der Familie und die Entführung doch irgendwie zusammen? Regisseur Asghar Farhadi zeigt nur vordergründig einen Krimi. Hinter der Fassade offenbart sich eine Familienchronik, in der Probleme und Konflikte viele Jahrzehnte verschleppt und totgeschwiegen wurden, bis sie innerhalb weniger Tage ans Licht kommen. Jeder wird zum Verdächtigen. Es ist ein Netz aus Lügen und Geheimnissen, durch das man nur ganz langsam steigt, bis sich am Ende jedes Detail an seine richtige Stelle fügt.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

Was werden die Leute sagen

Zwischen zwei Welten

7. März 2019, 20:00

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In Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der Hansestadt Stralsund und dem Frauenpolitischen Runden Tisch Stralsund

Norwegen, D, Schweden 2017, 106 min, FSK: 12

R: Iram Haq D: Maria Mozhdah, Adil Hussain, Rohit Saraf u.a.

Die 15-jährige Nisha lebt ein Doppelleben. Zuhause gehorcht sie den Traditionen und Werten ihrer pakistanischen Familie. Draußen mit ihren Freunden verhält sie sich wie ein ganz normaler norwegischer Teenager. Als ihr Vater sie mit ihrem Freund erwischt, bringt er sie nach Pakistan. Ohne jeden Kontakt nach Norwegen fühlt sie sich allein und hat Angst. Doch Stück für Stück entdeckt sie das ihr fremde Land und die Kultur ihrer Familie. Und kämpft um ihre Vorstellung von Selbstbestimmtheit ohne Selbstaufgabe. Mit einer großartigen Hauptdarstellerin und ohne schlechte Eltern/armes Kind-Zuschreibungen zeigt dies der vielfach preisgekrönte Film sehr direkt und einfühlsam. Regisseurin Iram Haq hat das Schicksal ihrer Protagonistin geteilt. Einst von den Eltern nach Pakistan geschickt, beugte sie sich schließlich als Filmemacherin nicht den traditionellen Vorstellungen, welche Rolle eine Frau auszufüllen hat.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

Hamburger Gitter

Der G20-Gipfel als Schaufenster morderner Polizeiarbeit

21. Februar 2019, 20:00

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In Kooperation mit Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Vorpommern-Rügen

Deutschland 2018, 76 min., FSK: 12

R: Marco Heinig, Steffen Maurer, Luise Burchard, Luca Vogel

31.000 Polizisten, brennende Autos, 20 Regierungen zu Gast – eine Stadt scheint traumatisiert. Auch ein Jahr nach dem G20-Gipfel sucht die Polizei noch mit allen Mitteln nach Verdächtigen, die Politik fordert harte Strafen, die Gerichte leisten Folge und die wenigen kritischen Stimmen verblassen im allgemeinen Ruf nach Law and Order. Der Dokumentarfilm stellt das Vorgehen von Polizei und Justiz beim G20-Gipfel in den Mittelpunkt und auf den Prüfstand. Dreizehn Kameraleute filmten während der G20-Tage und ermöglichen ein umfangreiches und detailliertes Panorama. Einschätzungen von 17 Interviewpartner*innen aus Polizei, Medien, Wissenschaft, Justiz und Aktivismus bilden den inhaltlichen Faden des Films. Welche Freiheitsrechte konnten in Hamburg dem Druck standhalten? War dieser Ausnahmezustand der Startschuss für eine neue sicherheitspolitische Normalität?

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

303

Wann küssen sie sich endlich?

31. Januar 2019, 20:00

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Deutschland 2018, 145 min, FSK: 12

R: Hans Weingartner D: Mala Emde, Anton Spieker u.a.

Jan ist überzeugt, dass der Mensch von Natur aus egoistisch ist. Jule hingegen glaubt, dass er im Kern empathisch und kooperativ ist, und bietet Jan einen Platz in ihrem „303“ Oldtimer-Wohnmobil an, als er von seiner Mitfahrgelegenheit versetzt wird. Jan will nach Spanien, um seinen leiblichen Vater kennenzulernen. Jule zu ihrem Freund nach Portugal. Auf ihrer Fahrt besprechen die coolen Mittzwanziger so ziemlich alles, was sie (und uns) bewegt, Ökologie, Neandertaler, Treibjagd, Psychologie, Philosophie, das Wesen des Menschen und die Chemie der Liebe – von Regisseur Weingartner in wunderbare Dialoge gepackt. Und beide versuchen angestrengt, sich nicht ineinander zu verlieben. Denn Liebe auf den ersten Blick gibt es hier nicht, höchstens auf den hundertsten oder tausendsten. Dazwischen liegen kluge und witzige Wortgefechte, grandiose Landschaftsaufnahmen und eine über 3.000 Kilometer lange Reise durch Europa, von Berlin nach Portugal.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

Candelaria – Ein kubanischer Sommer

Der späte Weg der Liebe

24. Januar 2019, 20:00

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Kolumbien, D, N, Argentinien, Kuba 2017, 87 min, FSK: 6

R: Jhonny Hendrix Hinestroza D: Veronica Lynn, Alden Knight, Philipp Hochmair u.a.

Kuba in den 90ern: Das Land ist geprägt von Armut, Zigarren und Rum. Die 75-jahrige Candelaria arbeitet in einer Hotelwäscherei und steht abends in einer kleinen Bar auf der Bühne. Ihr Mann Victor Hugo ist Vorleser in einer Zigarrenfabrik und hält sich mit dem Verkauf gestohlener Zigarren über Wasser. Liebe und Leidenschaft des Paares sind ziemlich eingerostet. Als Candelaria eine Videokamera findet, nimmt sie diese mit. Victor Hugo findet Gefallen daran, seine Frau zu filmen. Candelaria mag es, von ihm gefilmt zu werden. Der Liebeszauber erwacht erneut. Als die Kamera gestohlen wird, erhält Victor Hugo ein verlockendes Angebot, ausgesprochen lukrativ – aber ob seine Candelaria dabei mitspielen wird? Mit unaufgeregtem Tempo, witzig, poetisch und mit viel Wärme erzählt Regisseur Jhonny Hendrix Hinestroza eine durch und durch kubanische Geschichte und zeigt, wie charmant das Medium Film für den dritten Frühling sorgen kann.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

Familie Brasch – Eine deutsche Geschichte

Die Buddenbrooks des Osten

10. Januar 2019, 20:00

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Deutschland 2018, 103 min, FSK: 6

R: Annekatrin Hendel

In den Jahren nach 1945 sind die Braschs eine perfekte Funktionärsfamilie, die in der sowjetisch besetzten Zone den deutschen Traum vom Sozialismus lebt: Horst Brasch, ein leidenschaftlicher Antifaschist und jüdischer Katholik, baut die DDR mit auf, Sohn Thomas wird zum Literaturstar, er träumt wie sein Vater von einer gerechteren Welt, steht aber wie seine Brüder Peter und Klaus dem real existierenden Sozialismus kritisch gegenüber. 1968 bricht in der DDR wie überall der Generationenkonflikt auf. Vater Brasch liefert den rebellierenden Sohn Thomas an die Behörden aus. Regisseurin Annekatrin Hendel porträtiert drei Generationen Brasch, die die Spannungen der Geschichte innerhalb der eigenen Familie austragen – zwischen Ost und West, Kunst und Politik, Kommunismus und Religion, Liebe und Verrat, Utopie und Selbstzerstörung. Sie trifft Marion Brasch sowie zahlreiche Vertraute, Geliebte und Freunde, unter ihnen Katharina Thalbach, Christoph Hein und Bettina Wegner.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi