Drei

Ménage à trois

Produktion: Deutschland 2010, 119 min
Regie: Tom Tykwer
Darsteller: Sebastian Schipper, Angela Winkler, Devid Striesow, Sophie Rois, Annedore Kleist u.a.

Seit 20 Jahren sind Hanna und Simon ein Paar. Sie leben nebeneinander und miteinander, sind attraktiv, modern, gereift, kinderlos, kultiviert, ernüchtert. Bis sich beide, ohne voneinander zu wissen, in denselben Mann verlieben. Adam Born, Stammzellenforscher. Heimlich führen sie ihre Affären mit Adam, nicht ahnend, wie sehr das Geheimnis, das sie voreinander haben, sie miteinander verbindet. Sex-Klamauk oder Erotik-Drama? Ironisches Berlin-Mitte-Porträt oder kompromisslose Akademiker-Innenschau? Tom Tykwer hält geschickt die Balance. Er zeigt die Pannen seiner Charaktere auf amourösem Felde, führt sie in ihrer Bildungs- und Kunstgefräßigkeit vor. Gleichzeitig setzt er jede ihrer Tastbewegungen zum anderen oder gleichen Geschlecht mit heiligem Ernst in Szene.

Termin(e): 09. Februar 2012, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Waste Land

Kunstwerke aus Müll

Produktion: Großbritannien, Brasilien 2010, 98 min
Regie: Lucy Walker

Der renommierte Künstler Vik Muniz kehrt von Brooklyn zu seinen brasilianischen Wurzeln zurück, um Kunst zu schaffen auf der größten Müllkippe der Welt – Jardim Gramacho, gelegen an der Peripherie von Rio de Janeiro. Dort verdienen „Catadores“ ihren Lebensunterhalt durch das Sammeln recyclebarer Wertstoffe. Zwischen Armut, Dreck und Verwesung begegnet Muniz Menschen voller Optimismus und Stolz, die über Macchiavelli und die Würde der Arbeit philosophieren, eine Bibliothek einrichten und eine Gewerkschaft gründen. Zusammen mit ihnen arbeitet er an überdimensionalen Abfall-Portraits. In ihrer mehrfach ausgezeichneten Dokumentation erzählt Lucy Walker vom Müll, von lebensbejahenden, fröhlichen Individuen und von den Kunstwerken, die sie schaffen.

Termin(e): 12. Januar 2012, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Four Lions

Eine politisch völlig unkorrekte Komödie

Produktion: Großbritannien 2010, 101 min
Regie: Christopher Morris
Darsteller: Julia Davis, Riz Ahmed, Benedict Cumberbatch, Kayvan Novak, Preeya Kalidas u.a.

Das Maschinengewehr im Bekennervideo ist aus Plastik und für Kinderhände gemacht – wild entschlossen sind sie trotzdem, sich und andere im Namen des Islam zu töten: Omar, der charismatische Anführer, der ängstliche Bombenbastler Faisal, Waj, der gerade nichts Besseres zu tun hat, und der militant-aggressive Konvertit Barry. Gemeinsam soll der ganz große Coup gelingen, auch wenn sie handwerklich noch weit entfernt von ihren Vorbildern sind und statt ungläubiger Feinde die eigenen Leute in die Luft sprengen. In einer pechschwarzen Satire über den Heiligen Krieg und die Schwierigkeit, Krähen als Soldaten auszubilden, packt das britische Comedy-Genie Chris Morris ein heißes Eisen an und entdeckt in der größten Bedrohung der Gegenwart einen ebenso bestürzenden wie tiefschwarzen Humor.

Termin(e): 27. Oktober 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Wadans Welt mit Regisseur Dieter Schumann

Von der Würde der Arbeit

Produktion: Deutschland 2010, 100 min
Regie: Dieter Schumann

Im August 2008 übernimmt ein russischer Investor die Wadan Werft in Wismar. Kurz danach trifft die Finanz- und Wirtschaftskrise die alte Hansestadt mitten ins Herz, 5.000 Arbeitsplätze sind bedroht. Eine der modernsten Werften Europas steht kurz vor der Insolvenz, weil irgendwo in Amerika Banker sich verzockt haben. Der Dokumentarfilm begleitet eine Gruppe von Schweißern, die Eigner und den Insolvenzverwalter beim Ringen um den Erhalt der Werft. Wir erleben das Auf und Ab zwischen Ohnmacht, Wut, Trauer und Hoffnung. 18 Monate Drehzeit, in denen die persönlichen Erschütterungen einer für viele abstrakt gebliebenen Krise erlebbar werden. Die Wadan Werft geht unter und wird mit neuem Besitzer und Namen wieder aufgemacht. „Zum Schiffbauer muss man geboren sein”, sagt einer der Protagonisten. Schiffbauer ist ein stolzer Beruf, der oft über Generationen weiter gegeben wird, er hat mit Würde und Qualität zu tun und prägt die Identität der ganzen Küstenregion.

Termin(e): 29. September 2011, 20:00 mit Drehbuchautor Jochen Wisotzki – Kulturkirche St. Jakobi

Banksy – Exit Through the Gift Shop

Produktion: USA/Großbritannien 2010, 86 min
Regie: Banksy
Darsteller: Rhys Ifans u.a.

Obwohl seine Kunst Fassaden und Mauern auf der ganzen Welt ziert, weiß niemand, wer hinter Banksy, dem gefeierten Street Art Künstler, eigentlich steckt. Bis Thierry Guetta, ein wunderbar durchgeknallter Franzose und Video-Maniac, Banksy aufspüren und filmen möchte. Was ihm durch gute Kontakte und ein bisschen Zufall auch gelingt. Doch Banksy dreht den Spieß um und übernimmt Regie. Bei all den Geschichten über die Anfänge und Entwicklung der Street Art, über wilde Kunstaktionen und menschliches Versagen bleibt es völlig im Unklaren, ob Banksy im Film überhaupt auftaucht. Vielleicht gibt es auch gar keinen Mann namens Thierry Guetta, sondern nur einen strubbeligen, überkandidelten Schauspieler, der sich so nennt. Vielleicht sitzen wir auch gerade einem Street-Art-Märchen auf. Eine wahre (?) Geschichte über Kleinkriminalität, Freundschaft und Inkompetenz.

Termin(e): 18. August 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Weiter Informationen unter: www.exit-through-the-gift-shop.de

Das Labyrinth der Wörter

Ein Kopf liegt brach

Es ist die Geschichte über eine dieser Begegnungen, die das ganze Leben verändern können: das Zusammentreffen in einem Park zwischen Germain, um die 50, praktisch Analphabet, und Margueritte, einer kleinen alten Dame und leidenschaftlichen Leserin. Vierzig Jahre und hundert Kilo trennen sie. Margueritte liest Germain Passagen aus Romanen vor und eröffnet ihm die Welt und die Magie der Bücher, von denen er sich immer ausgeschlossen fühlte. Buch um Buch scheint das Leben Germain plötzlich mehr zu bieten als das bloße Dasein des grobgeistigen Dorftrottels. Literatur wird zu einem Versprechen, einer Entdeckungsreise, die Germain zögerlich und mit Scham beginnt. Denn zunächst hat er Angst, mehr zu sehen, als er vielleicht vertragen könnte. Doch Germain muss feststellen, dass er nicht mehr der Alte ist. Bald schleichen sich in seine ungehobelte Wortwahl Begriffe, die selbst seine halbgebildeten Bistrofreunde nicht verstehen. Als Margueritte immer mehr ihr Augenlicht verliert, übt Germain lesen, aus tief empfundener Freundschaft zu dieser charmanten, verschmitzten und aufmerksamen alten Dame. Jean Becker inszeniert mit leisem Humor und einer Spur Tragik ein berührendes Drama über die Möglichkeiten zur Veränderung. Am Ende ist es Germain, der Margueritte durch das Labyrinth der Wörter leitet.

Frankreich 2010, 82 min

Regie: Jean Becker

Darsteller: Gérard Depardieu, Gisèle Casadesus, Claude Maurane u.a.

Termin(e): 07. Juli 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi