Die Blumen von gestern

Film/ Blumen von gestern

Entsetzlich komisch

13. Juli 2017, 20:00

Trailer zum Film

Deutschland, Österreich 2016, 120 min, FSK: 12

R: Chris Kraus D: Hannah Herzsprung, Adele Haenel, Lars Eidinger, Jan Josef Liefers u.a.

Totila Blumen steckt in einer Lebenskrise. Der Holocaust-Historiker weiß nicht, ob er die Negativität seiner Arbeit noch länger aushält. Außerdem kriselt es in seiner Ehe. Dass er selbst von NS-Tätern abstammt, hat er ohnehin nie ganz verkraftet. Und nun wird er auch noch bei der nächsten Beförderung übergangen. In diese schwierige Zeit platzt Zazie, die ihm als Assistentin vor die Nase gesetzt wird. Auch Zazie, Enkeltochter eines Holocaust-Opfers, ist Holocaust-Forscherin und steht Totila an Impulsivität und Verrücktheit in nichts nach. Die junge Französin redet sich permanent um Kopf und Kragen. Euphorie, Wut und Traurigkeit sind in ihrem quirligen Wesen nur einen Herzschlag voneinander entfernt. Für eine verkopfte Spaßbremse wie Totila ist Zazie eine wandelnde Provokation. Doch früher oder später ist es unvermeidlich, dass die Beiden aneinandergeraten.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

Lou Andreas-Salomé

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Femme Fatale und Freigeist

16. März 2017, 20:00

Trailer zum Film

Deutschland, Österreich 2016, 113 min, FSK: 6

R: Cordula Kablitz-Post D: Katharina Lorenz, Nicole Heesters, Harald Schrott, Alexander Scheer u.a.

Sie verschmähte Nietzsche, verstieß Rilke, fesselte Freud. Wer war Lou Andreas-Salomé? Wo immer sie auch hinkam: Ihre Klugheit, ihre Sinnlichkeit, ihr unnahbares Wesen sorgten für Furore. “Von welchen Sternen sind wir uns hier einander zugefallen?”, flötete Nietzsche, als er sie 1882 in Rom erstmals sah. Gleich zweimal lehnte sie Nietzsches Heiratsantrag ab, ebenso wies sie seinen Freund Paul Rée (geboren in Neu Bartelshagen bei Stralsund) zurück. Cordula Kablitz-Post porträtiert die vergessene Philosophin und Schriftstellerin, die als erste Frau die Freudsche Psychoanalyse praktizierte; die 1861 in St. Petersburg geboren wurde und, statt zu heiraten, 1880 nach Zürich zog, um Vorlesungen zu Theologie, Philosophie, Logik an einer der wenigen Universitäten Europas zu hören, die Frauen damals zum Studium zuließen.

Spielstätte: Kulturkirche St. Jakobi

High Performance – Mandarinen lügen nicht

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Eingespannt für einen guten Zweck

16. Juli 2015, 20:00

Trailer zum Film

Österreich 2014, 100 min, FSK: 12

R: Johanna Moder D: Marcel Mohab, Manuel Rubey, Katharina Pizzera u.a.

Rudi ist Anzugträger, wohnt mit seiner Frau und den beiden Töchtern in einer Nobelvilla. Daniel ist eher Lebenskünstler, Schauspieler in einer nicht wirklich erfolgreichen Theatergruppe, trägt immer Trainingsjacke und Rucksack, wohnt in einer kleinen Mietwohnung, wo nebenan ein alternativer Zirkel Selbstfindungsseminare abhält. So verschieden die beiden Brüder sind, so interessieren sie sich doch für dieselbe Frau. Aus unterschiedlichen Gründen, wie sich für Nora bald herausstellt. Als Daniel mal wieder Geld braucht, verpflichtet Rudi ihn als Rhetorik-Coach für seine neue Mitarbeiterin Nora. Daniel soll sie für öffentliche Auftritte schulen, und gleichzeitig mehr über ihre Privatsphäre herausfinden. Rudi verfolgt längst einen perfideren Plan – und Daniel steckt mittendrin. – Eine Komödie mit Tiefgang um Loyalität, Familienbande und Manipulation.

Termin: 16. Juli 2015, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Atmen

Von den Toten zum Leben erweckt

23. August 2012, 20:00

Österreich 2011, 93 min, FSK: 12

R: Karl Markovics D: Georg Friedrich, Gerhard Liebmann, Thomas Schubert, Karin Lischka u.a.

Der neunzehnjährige Roman Kogler steht kurz vor seiner möglichen vorzeitigen Haftentlassung aus der Jugendstrafanstalt. Doch Roman hat schlechte Karten, verschlossen, einzelgängerisch, ohne familiären Anschluss, scheint er für eine Sozialisierung unfähig. Ausgerechnet der Freigängerjob bei einem Bestattungsunternehmen führt Roman über den Umweg Tod zurück ins Leben. Als eine Verstorbene seinen Nachnamen trägt, begibt er sich erstmals auf Spurensuche nach seiner eigenen Identität. Dem Schauspieler Karl Markovics ist mit seiner ersten Regiearbeit ein kleines Meisterwerk gelungen.

Termin: 23. August 2012, 20:00 Uhr – Kulturkirche St. Jakobi

Women Without Men

Wundersame Freundschaften

Produktion: Deutschland, Frankreich, Österreich 2009, 95 min
Regie: Shirin Neshat, Asghar Faradi
Darsteller: Orsolya Tóth, Shabnam Toloui, Tahmoures Tehrani, Arita Shahrzad, Pegah Ferydoni, Mina Azarian u.a.

Ein wunderschöner Garten vor den Toren Teherans. Hier treffen sich vier Frauen, deren Leben nicht unterschiedlicher sein könnten – die kunstliebende Fakhri, die junge Prostituierte Zarin, die politische Aktivistin Munis und deren konservativ-religiöse Freundin Faezeh. Das Chaos, das nach einem Militärputsch in den Straßen Teherans herrscht, hat sie an diesem Ort zufällig zusammengeführt. Sie finden Schutz in einer Natur, die in ihrer spirituellen Schönheit die Seele zu heilen scheint. In einem verborgenen Landhaus inmitten des paradiesisch anmutenden Gartens erleben die vier Frauen für einen kurzen Moment das, wonach sich jede von ihnen sehnt und wofür jede von ihnen kämpft: Lebensfreude, Freiheit und das Gefühl von Glück. Dem ersten Spielfilm der Videokünstlerin Shirin Neshat liegt der gleichnamige Roman der iranischen Schriftstellerin Sharnush Parsipur zugrunde, der sich offen mit Fragen der kulturellen und geschlechtlichen Unterdrückung, denen Frauen in der iranischen Gesellschaft ausgesetzt sind, und der Aufarbeitung der politischen Umstände 1953 beschäftigt.

Termin(e): 24. November 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Lourdes

Einmal Wunder und zurück

Produktion: Österreich/D/Frankreich 2009, 96 min
Regie: Jessica Hausner
Darsteller: Bruno Todeschini, Sylvie Testud, Léa Seydoux, Gilette Barbier u.a.

Lourdes, wo sich die Muttergottes 1858 einem jungen Mädchen offenbart haben soll und wo jährlich Abertausende von Pilgern zusammenströmen, ist eines jener Ferienziele, die sich für eine junge Frau mit multipler Sklerose gut bewältigen lassen. Hier wird man als Behinderte von wohltätigen Freiwilligen gefüttert, geschoben, gebettet, gewaschen und gekämmt. „Kulturreisen mag ich allerdings lieber“, sagt Christine zu dem feschen Malteser-Betreuer, der ihr unter seinem Barett zulächelt. Christine, durch ihre Krankheit gelähmt und in unfreiwillige Isolation gezwungen, sehnt sich danach, wieder alles tun zu können, was andere problemlos können. In Lourdes geschieht das Wunder: Christine erhebt sich aus ihrem Rollstuhl. Trotz der Möglichkeit eines Rückfalls genießt sie das Glück, das sich für diesen Moment erfüllt hat, und versucht es fest zu halten. Glaube, Hoffnung, Liebe: Jessica Hausners Film verfolgt Grundkonstanten menschlicher Selbsterfindung mit lakonischem Humor und latentem Grauen, tritt weder für noch gegen Religion ein, sondern betrachtet ruhigen Auges den Ort, seinen Glaubenstourismus und den gnadenlosen Wettkampf um die Heilkraft der Muttergottes.

Termin(e): 01. September 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi