Das Labyrinth der Wörter

Ein Kopf liegt brach

Es ist die Geschichte über eine dieser Begegnungen, die das ganze Leben verändern können: das Zusammentreffen in einem Park zwischen Germain, um die 50, praktisch Analphabet, und Margueritte, einer kleinen alten Dame und leidenschaftlichen Leserin. Vierzig Jahre und hundert Kilo trennen sie. Margueritte liest Germain Passagen aus Romanen vor und eröffnet ihm die Welt und die Magie der Bücher, von denen er sich immer ausgeschlossen fühlte. Buch um Buch scheint das Leben Germain plötzlich mehr zu bieten als das bloße Dasein des grobgeistigen Dorftrottels. Literatur wird zu einem Versprechen, einer Entdeckungsreise, die Germain zögerlich und mit Scham beginnt. Denn zunächst hat er Angst, mehr zu sehen, als er vielleicht vertragen könnte. Doch Germain muss feststellen, dass er nicht mehr der Alte ist. Bald schleichen sich in seine ungehobelte Wortwahl Begriffe, die selbst seine halbgebildeten Bistrofreunde nicht verstehen. Als Margueritte immer mehr ihr Augenlicht verliert, übt Germain lesen, aus tief empfundener Freundschaft zu dieser charmanten, verschmitzten und aufmerksamen alten Dame. Jean Becker inszeniert mit leisem Humor und einer Spur Tragik ein berührendes Drama über die Möglichkeiten zur Veränderung. Am Ende ist es Germain, der Margueritte durch das Labyrinth der Wörter leitet.

Frankreich 2010, 82 min

Regie: Jean Becker

Darsteller: Gérard Depardieu, Gisèle Casadesus, Claude Maurane u.a.

Termin(e): 07. Juli 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

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Abgesagt: Parasite

Klassenkampf für alle Sinne

26. März 2020, 20 Uhr

Trailer zum Film

Südkorea 2019, 132 min, FSK: 16

R: Bong Joon-ho D: Song Kang-ho, Lee Sun-kyun, Park So-dam u.a.

Die Kims leben mit ihren erwachsenen Kindern in größter Armut in einem Kellerloch. Doch dann bekommt Sohn Ki-woo die Chance, Nachhilfelehrer von Da-hye zu werden, der Tochter des reichen Mr. Park. Als Ki-woo mit gefälschtem Studentenausweis zum ersten Mal Mr. Parks riesige Villa betritt, staunt er nicht schlecht, wie anders doch die Reichen leben.  Auch die Parks haben zwei Kinder. Bald gelingt es Ki-woo seine Schwester als Kunsttherapeutin Jessica für den Sohn der Parks in die Villa zu bringen. Auch den Eltern verschafft er Jobs und Zugang in die Welt des Wohlstands… Regisseur Bong Joon-ho ist der Meister des Lachens, das einem alsbald im Halse stecken bleibt, so bitterböse entwickeln sich aus lustigen Momenten tiefgreifende Schicksale. Die pechschwarze Gesellschaftssatire steigert sich mit zunehmender Eskalation und hakenschlagenden Handlungen zu einem furiosen Finale.

Abgesagt: Lievalleen

Sehnsucht nach der Mutter

19. März 2020, 20 Uhr

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Ingeborg-Bachmann-Preisträger Peter Wawerzinek und Regisseur Steffen Sebastian stellen ihren Film vor

Deutschland 2019, 91 min, FSK: 0

R: Peter Wawerzinek, Steffen Sebastian

Seit Jahrzehnten begleitet Peter Wawerzinek die Frage: Warum ließ seine Mutter ihn und seine Schwester Beate unversorgt in der Rostocker Wohnung zurück und floh in den Westen, er gerade drei, Beate zwei Jahre alt? Dieses traumatische Ereignis und die Folgen hat Peter Wawerzinek bereits in seinem Roman Rabenliebe verarbeitet. Jetzt lässt der Autor noch einen Dokumentarfilm folgen, in dem er nicht nur die Orte seiner Kindheit aufsucht, sondern auch seine Schwester erzählen lässt. Die Kinder werden bald nach ihrem Auffinden voneinander getrennt. Erst mit vierzehn erfährt Peter, dass er eine Schwester hat. Während Peter in Kinderheimen umhegt und später adoptiert wird, wird Beate als nicht entwicklungsfähig eingeschätzt und muss fünfzehn Jahre in Stralsund in der Psychiatrie leben. Während Beates Lebensgeschichte dokumentiert, was ihr und anderen Kindern in der DDR-Psychiatrie angetan wurde, zeigt der Lebensweg ihres Bruders, wie liebevoll sich Erzieherinnen um Kinder wie Peter gekümmert haben und für ihn wie eine Mutter waren.

Ausgeflogen

Wenn Kinder flügge werden

27. Februar 2020, 20 Uhr

Trailer zum Film

Frankreich 2019, 87 min, FSK: 6

R Lisa Azuelos D: Sandrine Kiberlain, Thaïs Alessandrin, Victor Belmondo u.a.

Héloïse steht mitten im Leben – sie hat drei Kinder, ist Single und führt ihr eigenes Restaurant. Doch als ihre jüngste Tochter Jade das Nest verlassen und in Kanada studieren will, gerät sie in eine existentielle Krise. Wie konnte ihre süße Kleine bloß so schnell erwachsen werden? Ihre liebevollen Erinnerungen an Jades Kindheit kann Héloïse nur schwer mit der selbstbewussten jungen Frau in Einklang bringen, die jetzt vor ihr steht. Stets waren die Kinder für sie der Mittelpunkt und Héloise wird mehr und mehr bewusst, dass sich das Leben nun grundlegend ändern wird. In ihrer warmherzigen und berührenden Komödie blickt Regisseurin Lisa Azuelos zugleich nostalgisch zurück und lebensfroh in die Zukunft. Ein emotionaler Film über Familienzusammenhalt, Loslassen und Neuanfänge.

Systemsprenger

Das verlorene Mädchen

6. Februar 2020, 20 Uhr

Trailer zum Film

In Kooperation mit Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband Vorpommern-Rügen

Deutschland 2019, 125 min, FSK: 12

R: Nora Fingscheidt D: Helena Zengel, Albrecht Schuch, Gabriela Maria Schmeide u.a.

Laut, wild, unberechenbar: Benni! Die Neunjährige treibt ihre Mitmenschen zur Verzweiflung. Dabei will Benni nur eines: Liebe, Geborgenheit und wieder bei Mama wohnen! Doch Bianca hat Angst vor ihrer unberechenbaren Tochter. Pflegefamilie, Wohngruppe, Sonderschule: Egal, wo Benni hinkommt, sie fliegt sofort wieder raus. Sie ist das, was man im Jugendamt einen „Systemsprenger“ nennt. Als es keinen Platz mehr für Benni zu geben scheint, versucht der Anti-Gewalttrainer Micha, sie aus der Spirale von Wut und Aggression zu befreien. Nora Fingscheidt hat für ihr vielfach ausgezeichnetes Spielfilmdebüt fünf Jahre recherchiert und ist tief in das System der Kinder- und Jugendhilfe eingetaucht. Der Regisseurin gelingt das Kunststück, dass man versteht, warum Benni auch pädagogisch geschultes Personal an seine Grenzen bringt. Und Hauptdarstellerin Helene Zengel lässt mit anarchischer Energie die Extreme ihrer Figur schmerzhaft deutlich werden.

Frau Stern

Sternstunde am Ende des Lebens

9. Januar 2020, 20 Uhr

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Deutschland 2019, 79 min, FSK: 12

R: Anatol Schuster D: Ahuva Sommerfeld, Kara Schröder, Pit Bukowski u.a.

Frau Stern, 90 Jahre alt, Holocaust-Überlebende, hat viel gesehen in ihrem Leben, viele Männer geliebt, viel geraucht. Liebe, hat sie gelernt, ist eine Entscheidung. Der Tod auch. Und so entscheidet Frau Stern, dass es nun an der Zeit sei, aus der Welt zu gehen. Die resolute Dame möchte gern an eine Waffe kommen. Enkelin Elli könnte helfen, denn sie kennt den coolsten Dealer in Berlin-Neukölln. Doch Elli bringt Frau Stern dem Tod nicht näher. Im Gegenteil. Anatol Schuster gelingt es, mit großem Respekt und staubtrockenem Humor von der letzten Entscheidung eines Menschen zu erzählen. Bei jeder Einstellung ist die Liebe und Bewunderung für seine Protagonistin, grandios gespielt von Ahuva Sommerfeld, spürbar, die nie zuvor vor der Kamera stand. Sie starb kurz nach der Premiere des Films, der nun ein berührendes Denkmal für diese energiegeladene, lebenslustige Frau geworden ist.