Ein Tick anders

Schluckauf im Gehirn

08. März 2012, 20:00

Produktion: Deutschland 2010, 87 min
Regie: Andi Rogenhagen
Darsteller: Jasna Fritzi Bauer, Waldemar Kobus, Victoria Trauttmansdorff, Stefan Kurt, Renate Delfs u.a.

Die siebzehnjährige Eva leidet unter Tourette. Manchmal treiben ihre Tics sie in den Wahnsinn, doch eigentlich ist sie glücklich. Denn im Kreise ihrer Familie akzeptiert jeder sie, wie sie ist. Erst als ihr Vater seinen Job verliert, gerät die familiäre Balance aus dem Lot: Gemeinsam mit ihrer kauzigen Oma und ihrem durchgeknallten Onkel versucht Eva bei der Existenzsicherung zu helfen, was zusehends ins Chaos führt… Eine anarchische, überdrehte, unbändige und zartfühlende Familienkomödie über Liebe, Toleranz und die vielleicht verrückteste Krankheit der Welt – das Tourette-Syndrom.

Termin(e): 08. März 2012, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Drei

Ménage à trois

Produktion: Deutschland 2010, 119 min
Regie: Tom Tykwer
Darsteller: Sebastian Schipper, Angela Winkler, Devid Striesow, Sophie Rois, Annedore Kleist u.a.

Seit 20 Jahren sind Hanna und Simon ein Paar. Sie leben nebeneinander und miteinander, sind attraktiv, modern, gereift, kinderlos, kultiviert, ernüchtert. Bis sich beide, ohne voneinander zu wissen, in denselben Mann verlieben. Adam Born, Stammzellenforscher. Heimlich führen sie ihre Affären mit Adam, nicht ahnend, wie sehr das Geheimnis, das sie voreinander haben, sie miteinander verbindet. Sex-Klamauk oder Erotik-Drama? Ironisches Berlin-Mitte-Porträt oder kompromisslose Akademiker-Innenschau? Tom Tykwer hält geschickt die Balance. Er zeigt die Pannen seiner Charaktere auf amourösem Felde, führt sie in ihrer Bildungs- und Kunstgefräßigkeit vor. Gleichzeitig setzt er jede ihrer Tastbewegungen zum anderen oder gleichen Geschlecht mit heiligem Ernst in Szene.

Termin(e): 09. Februar 2012, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Pina

Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren

Produktion: Deutschland 2011, 100 min
Regie: Wim Wenders

Ein Film mit Pina Bausch sollte es eigentlich werden, den Wim Wenders geplant hatte, doch der überraschende Tod der Tänzerin und Choreographin kam dazwischen und sorgte dafür, dass dies nun ein Film für Pina und all ihre Fans, aber auch für jeden Tanzinteressierten geworden ist. Zusammen mit dem Tanztheater Wuppertal entstand eine sinnliche, bildgewaltige Entdeckungsreise mitten hinein auf die Bühne und hinaus aus dem Theater in die Stadt und das Umland von Wuppertal – den Ort, der 35 Jahre für Pina Bausch Heimat und Zentrum ihres kreativen Schaffens war. Getanzt wird zu den Choreographien „Le Sacre du Printemps“, „Vollmond“, „Café Müller“ und „Kontakthof“, die Wim Wenders noch zusammen mit Bausch aussuchte.

Termin(e): 22. Dezember 2011 – Kulturkirche St. Jakobi

Women Without Men

Wundersame Freundschaften

Produktion: Deutschland, Frankreich, Österreich 2009, 95 min
Regie: Shirin Neshat, Asghar Faradi
Darsteller: Orsolya Tóth, Shabnam Toloui, Tahmoures Tehrani, Arita Shahrzad, Pegah Ferydoni, Mina Azarian u.a.

Ein wunderschöner Garten vor den Toren Teherans. Hier treffen sich vier Frauen, deren Leben nicht unterschiedlicher sein könnten – die kunstliebende Fakhri, die junge Prostituierte Zarin, die politische Aktivistin Munis und deren konservativ-religiöse Freundin Faezeh. Das Chaos, das nach einem Militärputsch in den Straßen Teherans herrscht, hat sie an diesem Ort zufällig zusammengeführt. Sie finden Schutz in einer Natur, die in ihrer spirituellen Schönheit die Seele zu heilen scheint. In einem verborgenen Landhaus inmitten des paradiesisch anmutenden Gartens erleben die vier Frauen für einen kurzen Moment das, wonach sich jede von ihnen sehnt und wofür jede von ihnen kämpft: Lebensfreude, Freiheit und das Gefühl von Glück. Dem ersten Spielfilm der Videokünstlerin Shirin Neshat liegt der gleichnamige Roman der iranischen Schriftstellerin Sharnush Parsipur zugrunde, der sich offen mit Fragen der kulturellen und geschlechtlichen Unterdrückung, denen Frauen in der iranischen Gesellschaft ausgesetzt sind, und der Aufarbeitung der politischen Umstände 1953 beschäftigt.

Termin(e): 24. November 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Wadans Welt mit Regisseur Dieter Schumann

Von der Würde der Arbeit

Produktion: Deutschland 2010, 100 min
Regie: Dieter Schumann

Im August 2008 übernimmt ein russischer Investor die Wadan Werft in Wismar. Kurz danach trifft die Finanz- und Wirtschaftskrise die alte Hansestadt mitten ins Herz, 5.000 Arbeitsplätze sind bedroht. Eine der modernsten Werften Europas steht kurz vor der Insolvenz, weil irgendwo in Amerika Banker sich verzockt haben. Der Dokumentarfilm begleitet eine Gruppe von Schweißern, die Eigner und den Insolvenzverwalter beim Ringen um den Erhalt der Werft. Wir erleben das Auf und Ab zwischen Ohnmacht, Wut, Trauer und Hoffnung. 18 Monate Drehzeit, in denen die persönlichen Erschütterungen einer für viele abstrakt gebliebenen Krise erlebbar werden. Die Wadan Werft geht unter und wird mit neuem Besitzer und Namen wieder aufgemacht. „Zum Schiffbauer muss man geboren sein”, sagt einer der Protagonisten. Schiffbauer ist ein stolzer Beruf, der oft über Generationen weiter gegeben wird, er hat mit Würde und Qualität zu tun und prägt die Identität der ganzen Küstenregion.

Termin(e): 29. September 2011, 20:00 mit Drehbuchautor Jochen Wisotzki – Kulturkirche St. Jakobi

Lourdes

Einmal Wunder und zurück

Produktion: Österreich/D/Frankreich 2009, 96 min
Regie: Jessica Hausner
Darsteller: Bruno Todeschini, Sylvie Testud, Léa Seydoux, Gilette Barbier u.a.

Lourdes, wo sich die Muttergottes 1858 einem jungen Mädchen offenbart haben soll und wo jährlich Abertausende von Pilgern zusammenströmen, ist eines jener Ferienziele, die sich für eine junge Frau mit multipler Sklerose gut bewältigen lassen. Hier wird man als Behinderte von wohltätigen Freiwilligen gefüttert, geschoben, gebettet, gewaschen und gekämmt. „Kulturreisen mag ich allerdings lieber“, sagt Christine zu dem feschen Malteser-Betreuer, der ihr unter seinem Barett zulächelt. Christine, durch ihre Krankheit gelähmt und in unfreiwillige Isolation gezwungen, sehnt sich danach, wieder alles tun zu können, was andere problemlos können. In Lourdes geschieht das Wunder: Christine erhebt sich aus ihrem Rollstuhl. Trotz der Möglichkeit eines Rückfalls genießt sie das Glück, das sich für diesen Moment erfüllt hat, und versucht es fest zu halten. Glaube, Hoffnung, Liebe: Jessica Hausners Film verfolgt Grundkonstanten menschlicher Selbsterfindung mit lakonischem Humor und latentem Grauen, tritt weder für noch gegen Religion ein, sondern betrachtet ruhigen Auges den Ort, seinen Glaubenstourismus und den gnadenlosen Wettkampf um die Heilkraft der Muttergottes.

Termin(e): 01. September 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi