Wadans Welt mit Regisseur Dieter Schumann

Von der Würde der Arbeit

Produktion: Deutschland 2010, 100 min
Regie: Dieter Schumann

Im August 2008 übernimmt ein russischer Investor die Wadan Werft in Wismar. Kurz danach trifft die Finanz- und Wirtschaftskrise die alte Hansestadt mitten ins Herz, 5.000 Arbeitsplätze sind bedroht. Eine der modernsten Werften Europas steht kurz vor der Insolvenz, weil irgendwo in Amerika Banker sich verzockt haben. Der Dokumentarfilm begleitet eine Gruppe von Schweißern, die Eigner und den Insolvenzverwalter beim Ringen um den Erhalt der Werft. Wir erleben das Auf und Ab zwischen Ohnmacht, Wut, Trauer und Hoffnung. 18 Monate Drehzeit, in denen die persönlichen Erschütterungen einer für viele abstrakt gebliebenen Krise erlebbar werden. Die Wadan Werft geht unter und wird mit neuem Besitzer und Namen wieder aufgemacht. „Zum Schiffbauer muss man geboren sein“, sagt einer der Protagonisten. Schiffbauer ist ein stolzer Beruf, der oft über Generationen weiter gegeben wird, er hat mit Würde und Qualität zu tun und prägt die Identität der ganzen Küstenregion.

Termin(e): 29. September 2011, 20:00 mit Drehbuchautor Jochen Wisotzki – Kulturkirche St. Jakobi

Banksy – Exit Through the Gift Shop

Produktion: USA/Großbritannien 2010, 86 min
Regie: Banksy
Darsteller: Rhys Ifans u.a.

Obwohl seine Kunst Fassaden und Mauern auf der ganzen Welt ziert, weiß niemand, wer hinter Banksy, dem gefeierten Street Art Künstler, eigentlich steckt. Bis Thierry Guetta, ein wunderbar durchgeknallter Franzose und Video-Maniac, Banksy aufspüren und filmen möchte. Was ihm durch gute Kontakte und ein bisschen Zufall auch gelingt. Doch Banksy dreht den Spieß um und übernimmt Regie. Bei all den Geschichten über die Anfänge und Entwicklung der Street Art, über wilde Kunstaktionen und menschliches Versagen bleibt es völlig im Unklaren, ob Banksy im Film überhaupt auftaucht. Vielleicht gibt es auch gar keinen Mann namens Thierry Guetta, sondern nur einen strubbeligen, überkandidelten Schauspieler, der sich so nennt. Vielleicht sitzen wir auch gerade einem Street-Art-Märchen auf. Eine wahre (?) Geschichte über Kleinkriminalität, Freundschaft und Inkompetenz.

Termin(e): 18. August 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Weiter Informationen unter: www.exit-through-the-gift-shop.de

Das Labyrinth der Wörter

Ein Kopf liegt brach

Es ist die Geschichte über eine dieser Begegnungen, die das ganze Leben verändern können: das Zusammentreffen in einem Park zwischen Germain, um die 50, praktisch Analphabet, und Margueritte, einer kleinen alten Dame und leidenschaftlichen Leserin. Vierzig Jahre und hundert Kilo trennen sie. Margueritte liest Germain Passagen aus Romanen vor und eröffnet ihm die Welt und die Magie der Bücher, von denen er sich immer ausgeschlossen fühlte. Buch um Buch scheint das Leben Germain plötzlich mehr zu bieten als das bloße Dasein des grobgeistigen Dorftrottels. Literatur wird zu einem Versprechen, einer Entdeckungsreise, die Germain zögerlich und mit Scham beginnt. Denn zunächst hat er Angst, mehr zu sehen, als er vielleicht vertragen könnte. Doch Germain muss feststellen, dass er nicht mehr der Alte ist. Bald schleichen sich in seine ungehobelte Wortwahl Begriffe, die selbst seine halbgebildeten Bistrofreunde nicht verstehen. Als Margueritte immer mehr ihr Augenlicht verliert, übt Germain lesen, aus tief empfundener Freundschaft zu dieser charmanten, verschmitzten und aufmerksamen alten Dame. Jean Becker inszeniert mit leisem Humor und einer Spur Tragik ein berührendes Drama über die Möglichkeiten zur Veränderung. Am Ende ist es Germain, der Margueritte durch das Labyrinth der Wörter leitet.

Frankreich 2010, 82 min

Regie: Jean Becker

Darsteller: Gérard Depardieu, Gisèle Casadesus, Claude Maurane u.a.

Termin(e): 07. Juli 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Der Dieb des Lichts

Flirrende Lichtkomödie

Ein kleines Dorf in den Weiten Kirgisistans. Der örtliche Elektriker Svet-Ake ist die Lichtgestalt des Films, ein leiser, allzeit hilfsbereiter, spitzbübischer, bisweilen auch naiver, schüchterner Held mit einem offenen Ohr für alle Sorgen und Kümmernisse der Umgebung, aber auch für Stromrechnungen, die wegen der Privatisierung der alten staatlichen Stromkraftwerke in astronomische Höhen geschossen sind. Und so lässt Svet-Ake die Stromzähler schon mal rückwärts laufen – bis er seinen Posten verliert. Zugleich ist er ein liebevoller Träumer mit einer kühnen Vision, die das Dorf aus der Misere führen und für zukünftige Generationen lebenswert machen soll: einen riesigen Windpark will er bauen. Um diesen realisieren zu können, muss sich Svet-Ake mit dem neuen Bürgermeister arrangieren, der mit einem windigen Investor unter einer Decke steckt. Aktan Arym Kubat begleitet und beobachtet seine Hauptfigur mit unendlicher Sympathie. Svet-Ake ist das personifizierte Gute, das freilich, wie so oft, in seinen Grundfesten bedroht wird. Die Welt ist nicht für solche uneigennützigen Visionäre geschaffen: Dem Idealismus Svet-Akes stehen handfeste materielle Interessen einer neuen, brutal agierenden Funktionärselite entgegen. Nach dem mehrfach preisgekrönten „Beschkempir“ (1998) bringt Aktan Arym Kubat erneut Licht und Luft der kirgisischen Landschaften zum Tanzen und erzählt eine lebensmutige wie bewegende Geschichte, mit betörender Bilderkraft und feinsinnigem Humor.

Kirgisien/Deutschland/Frankreich/NL 2010, 80 min

Regie: Aktan Arym Kubat

Darsteller: Aktan Arym Kubat, Taalaikan Abazova, Askat Sulaimanov, Asan Amanov, Stanbek Toichubaev u.a.

Termin(e): 09. Juni 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi