Cheyenne – This must be the place

Heimat ist eher ein Gefühl als ein Ort

19. April 2012, 20:00

Produktion: Italien, Frankreich, Irland 2011, 118 min
Regie: Paolo Sorrentino
Darsteller: Sean Penn, Frances McDormand, Harry Dean Stanton, Eve Hewson, Judd Hirsch u.a.

Rockmusik hat Cheyenne reich gemacht, aber auch gelangweilt und zynisch. Nachdem er sich vom Musikgeschäft verabschiedet hat, macht er sich auf die Suche nach dem einstigen Peiniger seines im Sterben liegenden Vaters, dem Nazi-Kriegsverbrecher Alois Lange, der sich in den USA versteckt halten soll. Für Cheyenne beginnt eine Reise ins Hinterland der Vereinigten Staaten, die ihn nachhaltig verändert, bis er dem Todesengel aus Auschwitz gegenübersteht. „This Must Be The Place“, der Song von den Talking Heads, ist die Hymne, die sich durch Paolo Sorrentinos Film zieht, der seltsame Augenblicke, bizarre Szenerien und merkwürdige Begegnungen sammelt – ein versponnenes, widerspenstiges Roadmovie. As Cheyenne endlich bei sich selbst angekommen ist, ist alles anders.

Termin(e): 19. April 2012, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Sound of Noise

Kann Trommeln Terror sein?

10. Mai 2012, 20:00

Produktion: Schweden, Frankreich 2010, 102 min
Regie: Ola Simonsson, Johannes Stjärne Nilsson
Darsteller: Bengt Nilsson, Sanna Persson, Magnus Börjeson u.a.

Sechs Schlagzeuger terrorisieren die Stadt mit einer Symphonie der anderen Art. Zum Musizieren ist ihnen jedes Mittel recht, Hauptsache, es verursacht Geräusche. Dabei machen sie selbst vor Krankenhaus-Patienten, Geldscheinen und Strommasten nicht halt. Immer mit dabei: Ein tickendes Metronom, das den musikhassenden Polizisten Amadeus Warnebring auf den Plan ruft. Was zunächst als der seltsamste Fall von Warnebrings Karriere beginnt, entpuppt sich für ihn schließlich als die Chance, sein Leben für immer zu verändern. Eine herrlich schrille Mischung aus Musikfilm, anarchischem Thriller und Liebeskomödie mit einem großartigen Soundtrack.

Termin(e): 10. Mai 2012, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Women Without Men

Wundersame Freundschaften

Produktion: Deutschland, Frankreich, Österreich 2009, 95 min
Regie: Shirin Neshat, Asghar Faradi
Darsteller: Orsolya Tóth, Shabnam Toloui, Tahmoures Tehrani, Arita Shahrzad, Pegah Ferydoni, Mina Azarian u.a.

Ein wunderschöner Garten vor den Toren Teherans. Hier treffen sich vier Frauen, deren Leben nicht unterschiedlicher sein könnten – die kunstliebende Fakhri, die junge Prostituierte Zarin, die politische Aktivistin Munis und deren konservativ-religiöse Freundin Faezeh. Das Chaos, das nach einem Militärputsch in den Straßen Teherans herrscht, hat sie an diesem Ort zufällig zusammengeführt. Sie finden Schutz in einer Natur, die in ihrer spirituellen Schönheit die Seele zu heilen scheint. In einem verborgenen Landhaus inmitten des paradiesisch anmutenden Gartens erleben die vier Frauen für einen kurzen Moment das, wonach sich jede von ihnen sehnt und wofür jede von ihnen kämpft: Lebensfreude, Freiheit und das Gefühl von Glück. Dem ersten Spielfilm der Videokünstlerin Shirin Neshat liegt der gleichnamige Roman der iranischen Schriftstellerin Sharnush Parsipur zugrunde, der sich offen mit Fragen der kulturellen und geschlechtlichen Unterdrückung, denen Frauen in der iranischen Gesellschaft ausgesetzt sind, und der Aufarbeitung der politischen Umstände 1953 beschäftigt.

Termin(e): 24. November 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

8. Wonderland

Aufstieg und Fall des ersten virtuellen Staates

Produktion: Frankreich 2008, 98 min
Regie: Nicolas Alberny, Jean Mach
Darsteller: Matthew Geczy, Robert William Bradford, Alain Azerot u.a.

Die Geschichte eines virtuellen Staates, den Menschen aus der ganzen Welt im Internet gründen. Sie wollen den bloßen Worten der Politik Taten entgegensetzen. Wöchentlich stimmen die Bürger des achten Wunderlandes über die nächsten Aktionen ab. Per demokratischen Beschluss wird so der Vatikan mit Kondom-Automaten dekoriert, wird eine Darwin-Bibel in Massenauflage gedruckt. Während Geheimdienste fieberhaft nach den Servern suchen, um sie abzuschalten, ist das idealistische Projekt auch von innen gefährdet, denn mit der Aufmerksamkeit wächst das Bewusstsein der eigenen Macht und damit auch die Gefahr, diese Macht zu missbrauchen oder durch sie zumindest die eigenen Ideale zu verraten. Ein gelungenes Drama mit dem Hauch eines Thrillers, das eine „was wäre wenn“-Thematik auffasst, die gar nicht so unrealistisch ist.

Termin(e): 13. Oktober 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Lourdes

Einmal Wunder und zurück

Produktion: Österreich/D/Frankreich 2009, 96 min
Regie: Jessica Hausner
Darsteller: Bruno Todeschini, Sylvie Testud, Léa Seydoux, Gilette Barbier u.a.

Lourdes, wo sich die Muttergottes 1858 einem jungen Mädchen offenbart haben soll und wo jährlich Abertausende von Pilgern zusammenströmen, ist eines jener Ferienziele, die sich für eine junge Frau mit multipler Sklerose gut bewältigen lassen. Hier wird man als Behinderte von wohltätigen Freiwilligen gefüttert, geschoben, gebettet, gewaschen und gekämmt. „Kulturreisen mag ich allerdings lieber“, sagt Christine zu dem feschen Malteser-Betreuer, der ihr unter seinem Barett zulächelt. Christine, durch ihre Krankheit gelähmt und in unfreiwillige Isolation gezwungen, sehnt sich danach, wieder alles tun zu können, was andere problemlos können. In Lourdes geschieht das Wunder: Christine erhebt sich aus ihrem Rollstuhl. Trotz der Möglichkeit eines Rückfalls genießt sie das Glück, das sich für diesen Moment erfüllt hat, und versucht es fest zu halten. Glaube, Hoffnung, Liebe: Jessica Hausners Film verfolgt Grundkonstanten menschlicher Selbsterfindung mit lakonischem Humor und latentem Grauen, tritt weder für noch gegen Religion ein, sondern betrachtet ruhigen Auges den Ort, seinen Glaubenstourismus und den gnadenlosen Wettkampf um die Heilkraft der Muttergottes.

Termin(e): 01. September 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi

Das Labyrinth der Wörter

Ein Kopf liegt brach

Es ist die Geschichte über eine dieser Begegnungen, die das ganze Leben verändern können: das Zusammentreffen in einem Park zwischen Germain, um die 50, praktisch Analphabet, und Margueritte, einer kleinen alten Dame und leidenschaftlichen Leserin. Vierzig Jahre und hundert Kilo trennen sie. Margueritte liest Germain Passagen aus Romanen vor und eröffnet ihm die Welt und die Magie der Bücher, von denen er sich immer ausgeschlossen fühlte. Buch um Buch scheint das Leben Germain plötzlich mehr zu bieten als das bloße Dasein des grobgeistigen Dorftrottels. Literatur wird zu einem Versprechen, einer Entdeckungsreise, die Germain zögerlich und mit Scham beginnt. Denn zunächst hat er Angst, mehr zu sehen, als er vielleicht vertragen könnte. Doch Germain muss feststellen, dass er nicht mehr der Alte ist. Bald schleichen sich in seine ungehobelte Wortwahl Begriffe, die selbst seine halbgebildeten Bistrofreunde nicht verstehen. Als Margueritte immer mehr ihr Augenlicht verliert, übt Germain lesen, aus tief empfundener Freundschaft zu dieser charmanten, verschmitzten und aufmerksamen alten Dame. Jean Becker inszeniert mit leisem Humor und einer Spur Tragik ein berührendes Drama über die Möglichkeiten zur Veränderung. Am Ende ist es Germain, der Margueritte durch das Labyrinth der Wörter leitet.

Frankreich 2010, 82 min

Regie: Jean Becker

Darsteller: Gérard Depardieu, Gisèle Casadesus, Claude Maurane u.a.

Termin(e): 07. Juli 2011, 20:00 – Kulturkirche St. Jakobi